Sonntag, 22. Juni 2008

Nichts ist...

hold my head
we'll trampoline
finally through the roof
on to somewhere near
and far in time

interessanter als die Wirklichkeit, steht da. Nun, meine lieben Filousophen und Traumatologen, das haben wir selbstverständlich schon immer und besser gewusst. Uns bedeutet sie nur einen Abschied unter anderen. Auf unseren Reisen führen wir kein Gepäck und benötigen keine Gefangenen. Und weil nichts ist, wie es ist, scheint es uns schön und gut so. Wir schauen zurück, mit geschlossenen Augen erfahren wir die Dinge, träumen das Meer darum, sie treiben darin, uns durch die Finger, wir berühren nur, halten nichts fest. Das Leben wird uns nicht brechen, wir üben keinen Druck darauf aus, drohen und drängen nicht. Spuren bedeuten das Glück unserer Erde. Ihr sind wir treu, zärtlich verbunden. Wenn das Meer uns verlässt, werden wir wie sie. Das fühlst du, während du gräbst oder deine Hand in den warmen Schuh steckst, den dir die Sonne im Sand versteckt. Jetzt lächelst du, wie damals, bevor du zu fliegen versuchtest, im Vertrauen auf eine Schwerkraft, die dich nicht halten, sondern mit ihren weit ausgebreiteten Armen empfangen würde. Und wie deine Augen sich öffneten, hattest du Abschied genommen.

lp Velouria/Pixies

Die Völker Europas...

sind entschlossen, auf der Grundlage gemeinsamer Werte eine friedliche Zukunft zu teilen, indem sie sich zu einer immer engeren Union verbinden.

In dem Bewusstsein ihres geistig-religiösen und sittlichen Erbes gründet sich die Union auf die unteilbaren und universellen Werte der Würde des Menschen, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität. Sie beruht auf den Grundsätzen der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit. Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns, indem sie die Unionsbürgerschaft und einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts begründet.
buch Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union

Samstag, 21. Juni 2008

Wie ich vom...

Schaumainkai Richtung Hauptwache laufe und darüber nachdenke, warum manche Männer sich für ne Stange Geld getragene Frauenunterwäsche einkaufen, wo es die auf dem Flohmarkt sehr viel preiswerter zu haben gibt, gerate ich unverhofft in die Parade der Kulturen. Ein großer Spaß, natürlich. Aus dem Rockmobil dröhnt es prima gereimt "Wir sind bunt, die Welt ist rund!", was mich an das Wiedersehen mit der rundbunten Frau Dings neulich denken lässt, ein kleiner Mann aus Asien versucht mit seiner Truppe und einem ihm übermächtigen Megaphon politische Anliegen in die Ohren der Zugucker zu transportieren und ein glückliches siebenjähriges Mädchen sticht mir beinahe sein Ecuadorfähnchen ins Auge, mit dem sie enthusiastisch herumwedelt. Dreihundert Meter und schon bin ich außer Puste, die Festivalisierung der Innenstadt und ich werden wohl auch diesmal keine Freunde. Schade eigentlich, aber wir Waldbewohner sind Massen gegenüber, so gut sie es auch mit uns meinen mögen, nicht wirklich aufgeschlossen.

Freitag, 20. Juni 2008

Germany starts to the moon in 1929

Ein gelehrter Professor weilt von früh morgens bis spät abends in den Neubabelsberger Hallen, damit die Wissenschaft zu ihrem Recht kommt. Er erzählt uns von der theoretischen Möglichkeit, in einer Stunde in einem Raketenschiff von Amerika nach Europa zu kommen. Leise bemerkt jemand, daß Amerika ja noch immer nicht der Mond sei, worauf der Gelehrte erwidert, daß der Flug von einem Erdteil zum anderen lediglich eine Etappe darstelle, und daß man nicht wissen könne, ob nicht wir selbst oder unsere Kinder bereits ihr Weekend auf dem Mond verbringen, wie wir das jetzt in der Umgegend der Großstadt tun. Vorläufig allerdings erleben wir die Mondfahrt erst im Film, sehen vorahnend im Bilde, was noch im Schoß der Zukunft verborgen liegt.
Aus dem Bericht über eines der traumwütigsten Babelsberger Abenteuer, den Produktionsprozess von Frau im Mond, Langs letztem Stummfilm.

buch Fahrt in den Mond/Kinematograph (Berlin) Vol. 23/No. 46, 24 Feb 1929

Simplify your love

No fronts, no tricks, no soap box politics.

Donnerstag, 19. Juni 2008

Tagträumen...

see the moon so still and cold
a million stars that shed no warmth
your nightmares all come out to play
in the silver light

am Hauptbahnhof auch nur unter Lebensgefahr, oder was habe ich davon, wenn der Fahrer des Transportwagens zwar der Eile wegen sein orangenes Jetzt aber aufgepasst!-Blinkelicht anwirft, seinen Fuß aber nur unter der Bedingung auf die Bremse haut, dass man schon unter den Rädern liegt? Wer weiß, ob Anna Karenina heute noch bis an die Gleise käme, um sich vor den Zug zu werfen. Wie ich noch zur Schule ging, habe ich dort eine Weile über abends Wagen ausgepackt. Da herrschte eine einnehmendere Atmosphäre als heute, die Elektronik war noch groß und schwer, dunkle Ecken waren dunkle Ecken und die Bahnhofspolizisten keine Freunde oder Helfer, sondern Alkoholiker. Leider habe ich zu der Zeit noch nicht geraucht, auch so eine mangelhafte Einstellung zur Freude am Leben.

lp Night Train To Lorca/The Pogues

Sonntag, 15. Juni 2008

Seine rechte Hand...

ruht auf dem dunkelblau verkleideten Oberschenkel, der Zeigefinger ist gestreckt, die restlichen krümmen sich über der Handfläche. Mit Zärtlichkeit, die ihr Bekenntnis ist, berührt und hält sie die ganze Strecke über seinen alles in einem bedeutenden Finger. Sie flüstern, nicht nur heute, schauen sich nur ein- oder zweimal an, kurz und behutsam - sich treffende Blicke werden Abschied bedeuten. Nicht ein Laut gewöhnlicher Stärke dringt in das Außen dieser Traumsequenz, auch nicht am Bahnhof, wo er aussteigt und sie weiterfährt.

Samstag, 14. Juni 2008

Sie hat den schleppenden,

beinahe steifen Gang der elenden, schwindsüchtigen, proletarischen Figur in Pabsts »Die freudlose Gasse«. Wunderbar ist es, zu sehen, wie sie zu der mit Juwelen behängten Kleiderpuppe des Kriegsgewinnlers wird, wie innerlich unberührt ihr Wesen ist von der Pracht, die sie umgibt. Am Eingang zu Frau Greifers Rendezvous-Hotel steht sie versteinert, mit dem kalten Glanz eines exotischen Abgottbildes. Als sie dann vor dem Richter über ihren Mord berichtet*, flattern lediglich ihre kummervollen Hände gleich verirrten Vögeln über die Leinwand.
* In ihrer Liebe und Bewunderung verschönert Eisner die Szene durch eine Verschiebung in der Erinnerung.

buch Lotte Henriette Eisner in Asta Nielsen - Eine Bildbiographie/Renate Seydel, Allan Hagedorff

Der unglaublich tolle...

und superexklusive Wochenendüberraschungsklick.

Es gibt mehrere...

Frankfurt-Flickr-Gruppen. Auch eine mit der Betonung "This is Frankfurt"! Wie man es antizipiert bis zum Rand abgefüllt mit nichtssagenden bis peinlich motivierten Bildern*. Heute nun habe ich DAS Frankfurt-Bild entdeckt, die Seele der Stadt ist darin geborgen.

* Mit ganz vielen Baukränen im Himmelblau ist man auf der sicheren Seite. Und wenn gar nichts mehr geht, gehste in die Schirn.

Freitag, 13. Juni 2008

Hüpp, Holland, Hüpp!

Ein Land, in dem man Schokoladenpudding in Milchtüten (Vla Vla Vla) verkauft, ist meiner Meinung nach prädestiniert, Fußballeuropameister zu werden.

Das finde ich...

heftig, dass Sondra Locke als Antoinette Lilly in Bronco Billy für den Razzie nominiert wurde. Die sollten sich mal Heike Makatsch in Schwesterherz verpassen, darin realisiert (!) sie sich im Verlauf der Klischeerennstrecke, von 100 auf 1000 in 90 Minuten, dermaßen überwältigend durch das von ihr selbst (und irgendsoner FAZ-Schlampe) erbrochene Drehbuch, dass man ihr von der Pest bis zum Oscar aber wirklich alles an den Hals wünscht, nur um sie nie nie mehr wieder in einem Film aus deutschen Landen erleiden zu müssen. Früher hat sie sich wenigstens noch nackisch gemacht. Man muss doch nicht alles müssen, nur weil die Filmförderung es möglich macht.

film Schwesterherz/D 2006/Ed Herzog

Wutausbrüche...

werden allenfalls noch anonymisiert in Internetforen artikuliert, feige vom heimischen Sessel aus. Der Choleriker, der noch öffentlich und mutig zum Vorschein trat, widersetzte sich jeder reibungslosen Verwertung. Er ist ein Ventil, ohne das Zivilisation nicht auskommt; er schwächt sie nicht, sondern stärkt sie.
Dummen Säuen mangelt es in allen mir bekannten Fällen an Bewusstsein ihrer selbst, darum ist es hilfreich, wenn man sie auch so anspricht.

stern»Du dumme Sau!«/Adam Soboczynski/DIE ZEIT

Mittwoch, 11. Juni 2008

Ich gratuliere...

Und so entstanden die hier* versammelten Positionen, Illuminationen zu einem Panorama der Gegenwart, vielleicht einer Topographie der Unruhe, zu einem Widerschein der Welt, leidenschaftlich und schön; Elemente einer Sternenkarte, die Fixpunkte bietet, die Auskunft gibt darüber, Wie wir heute leben.
Lettre International sehr herzlich zum zwanzigsten Geburtstag. Augenblicke und Erlebnisse, die gegen Geld oder andere Tauschmittel nicht aufzuwiegen wären, das bedeutete mir dieser Schatz vom ersten Tag an bis heute. Sag nicht, dein Leben habe keinen Sinn, solange du sie nicht gelesen, sag nicht, du seist arm, solange du sie dir noch leisten kannst. Wie oft schon gehört von Menschen, die nicht wissen, was sie schenken sollen, zumal jenen, die (angeblich) schon alles besitzen. Lettre natürlich! Und denen, die gar nichts haben, erst recht.

buch Lettre International 81* - Das Jubiläumsheft: The Way We Live Now - Wie wir heute leben

joss

crème brûlée und schnauzenpolitur

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